Freitag, August 11, 2006

Entscheidungen


In Charlotte, NC, kaufte ein Rechtsanwalt eine Kiste mit sehr seltenen und sehr teueren Zigarren und versicherte diese dann, unter anderem, gegen Feuerschaden. Über die nächsten Monate rauchte er die Zigarren vollständig auf, und forderte dann die Versicherung auf (die erste Prämienzahlung war noch nicht einmal erbracht), den Schaden zu ersetzen. In seinem Anspruchsschreiben führte der Anwalt auf, daß die Zigarren durch eine Serie kleiner Feuerschäden vernichtet worden seien. Die Versicherung weigerte sich zu bezahlen, mit der einleuchtenden Argumentation, daß er die Zigarren bestimmungsgemäß ver(b)raucht habe. Der Rechtsanwalt klagte... und gewann!
Das Gericht stimmte mit der Versicherung überein, daß der Anspruch unverschämt sei, doch ergab sich aus der Versicherungspolice, daß die Zigarren gegen jede Art von Feuer versichert seien, und Haftungsausschlüsse nicht bestünden. Folglich müsse die Versicherung bezahlen, was sie selbst vereinbart und unterschrieben habe. Statt ein langes und teures Berufungsverfahren anzustrengen, akzeptierte die Versicherung das Urteil und bezahlte 15.000 US-Dollar an den Rechtsanwalt, der seine Zigarren in den zahlreichen "Feuerschäden" verloren hatte.
Nachdem der Anwalt den Scheck der Versicherung eingelöst hatte, wurde er auf deren Antrag in 24 Fällen von Brandstiftung verhaftet. Unter Hinweis auf seine zivilrechtliche Klage und seine Angaben vor Gericht, wurde er wegen vorsätzlicher Inbrandsetzung seines versicherten Eigentums zu 24 Monaten Freiheitsstrafe (ohne Bewährung) und 24.000 US-Dollar Geldstrafe verurteilt.

Amerika!

Freitag, Juni 02, 2006

Deflation des Wortes Teil 1


Seit geraumer Zeit ist in der deutschen Gesellschaft eine Hysterie zu beobachten. Eine Preishysterie. Einerseits steigen die Preise offenbar ins Unermessliche, andererseits werden Waren von Tag zu Tag billiger. Discountunternehmen werben mit Niedrigstpreisen und „Geiz ist geil“ ist der erfolgreichste Werbeslogan seit dem Jahr 2003. Das Kaufverhalten des Konsumenten ist auf das Sparen ausgerichtet. Die wirtschaftlichen Folgen werden in einer Deflation sichtbar, einem Abstieg des Güterpreisniveaus (im Gegensatz dazu Inflation: Verfall des Geldwertes) und einer Kaufkraftsteigerung des Geldes. Ein Duschgel z.B. ist heute billiger zu bekommen, als noch vor zwei Jahren. Wegen des Überangebotes an Gütern schwindet die Nachfrage bzw. die Bereitschaft, für eine Ware Geld auszugeben. Sinkende Preise rufen Kaufzurückhaltung hervor, da man mit stetig sinkenden Preisen rechnet. Die sinkende Nachfrage führt jedoch zur zu niedrigen Auslastung der Produktionskapazitäten, was wieder sinkende Preise zur Folge hat. Diese Entwicklung beschreibt man mit dem Wort Deflationsspirale.

Insgesamt gingen im letzten Jahr 40.000 Firmen pleite, weil die Menschen nicht mehr bereit sind, Geld auszugeben. Dieser Fakt ist besonders interessant, bedenkt man, dass es auf deutschen Sparbüchern über 4 Billionen (4.000.000.000.000 €) gibt, die in fest verzinsten Wertpapieren schummern – Immobilien nicht mitgerechnet. Vier Tausend Milliarden.

Der Deutsche spart, weil er Angst hat vor der Zukunft. Die Zurückhaltung ist besonders bei den finanzstarken 46-59 Jährigen ausgeprägt, die im Durchschnitt 11,1 % des verfügbaren Netto-Einkommens auf die hohe Kante legen. Andererseits müssen 43 % aller Deutschen nach Abzug aller Fixkosten mit einem Budget von unter 100€ für den monatlichen Konsum auskommen. All diese Entwicklungen rufen beim Menschen eins hervor: Verunsicherung.

Der Bürger ist nicht mehr bereit zu geben, weil er nicht sicher sein kann, dass er wieder bekommen wird. Eine private Rente später ist wichtiger als ein schickes Auto jetzt. Somit demaskiert sich die Wirtschaftskrise als Vertrauenskrise. Es fehlt an Glauben an die Wirtschaft, an die Politik, an die Politiker sowieso.
Gewinner solcher Glaubenskrisen sind immer die, die geschickt die Illusion von Glaubwürdigkeit mitverkaufen können. Verschiedenste Umfragen belegen, dass Billiganbieter wie Lidl, Schlecker und Ryanair, einen Wert geschaffen haben, der mir Glaubwürdigkeit beschrieben werden kann. Es ist erwiesen, dass Aldi und Porsche (was für eine Kombination!) bei den Menschen die höchste Glaubwürdigkeit hervorrufen. Glaubwürdigkeit ruft Sicherheit hervor. Sicherheit animiert zum Investieren.

Was dieser Post mit mir zu tun hat – das könnt ihr im Post darunter lesen.

Deflation des Wortes Teil 2

Kann es sein, dass wir auch eine Deflation des Wortes (der Bibel und ihrer Inhalte) erleben? Kann es sein, dass das Wort Gottes immer mehr an Wert verliert? Kann es sein, dass die Bibel mittlerweile wie ein Blatt mit Sonderangeboten gelesen wird und dass die Bereitschaft, dafür etwas zu geben, immer mehr schwindet?

Dass es eine wirtschaftliche Deflation gibt ist offensichtlich. Dass es eine Deflation der etablierten kirchlichen Institutionen gibt – das belegen die Austrittszahlen. Und doch gibt es Gewinner in dieser Entwicklung. Ähnlich wie in der Wirtschaft sind es die Gruppierungen, die scheinbar den Wert der Glaubwürdigkeit bei sich erkennen lassen. Glaubwürdigkeit, die Sicherheit ausstrahlt, ein Phänomen, welches in Zeiten von Chaos und Zukunftängsten sehr anziehend wirken kann.

Offenbar schaffen es Gruppierungen wie Scientology, Zeugen Jehovas, Mormonen, allesamt Weltanschauungen mit den abenteuerlichsten theologischen Konzepten, viele Menschen so anzusprechen, dass sie in ihnen den Wert der Glaubwürdigkeit erkennen. Es scheint so zu sein, dass so lange das Gefühl bedient ist, die argumentative Schiene belanglos ist. Es ist bekannt, dass jedes aus einer gefühlsmäßigen, materiellen oder intellektuellen Mangelsituation herrührende Appetenzverhalten (Such und Orientierungverhalten) potenzielle Gefährdung durch Sekten bedeutet, das jedoch macht deutlich, dass das Gefühl der Sicherheit (hervorgerufen durch Glaubwürdigkeit: „endlich mal jemand, der auch tut, was er sagt…man kann über die Zeugen sagen was man will, aber die tun wenigstens was…bei denen weißt du sofort woran du bist...usw.) entscheidend dazu beiträgt, ob jemand heute bereit ist, sein Lebenskonzept so zu verändern, dass Gott für ihn eine Rolle spielt.

In der religiösen Landschaft bedient sich der säkulare Mensch nach dem selben Kriterium wie in der Wirtschaft – nach dem Preis. Man nimmt das, was am wenigsten kostet. Die Religion, die am wenigsten (ab)verlangt. Die Glaubensrichtung, die den eigenen Lebensentwurf am wenigsten beeinflusst. Der Ruf nach einer Discountkirche ist damit geboren. Kirchen, Sekten, religiöse Gruppen fangen an sich mit Rabatten zu unterbieten, indem sie die „Preise“ unendlich tief schrauben. Jedoch verarmt der Mensch unausweichlich im Blickwinkel und Geschmack, wenn er sich über den (religiösen) Discounter versorgt. Daher darf es kein Discountkirche geben. Damit ist nicht das Fördern des schon ohnehin zu stark vorherrschenden elitären Denkens in Kirchen gemeint – damit ist lediglich die Wahrung des Wertes gemeint, den das Wort Gottes an sich hat. Dieser Umstand ist mit Qualität zu umschreiben.

Der Wert der Bibel basiert auf der Tatsache, dass es eine Botschaft ist, die von einem lebendigen Gott veranlasst wurde. Diese Botschaft hat einen befreienden, aber ebenso verpflichtenden Charakter. Die Deflation des Worte geschieht immer dann, wenn man vereinzelten Inhalten in der Bibel keinen Wert mehr beimisst, bzw. nicht mehr bereit ist, dafür zu „bezahlen“ (danach zu leben, es zu akzeptieren). Bietet man die Bibel in Discountermanier unter Wert an, indem man die vollständige Annahme der biblischen Inhalte predigt, diese aber nicht annähernd vorlebt, dann ist der Wert der Glaubwürdigkeit nicht zu vermitteln. Dementsprechend ist man unglaubwürdig, was das Hauptproblem der Kirche im 21.Jahrhundert ausmacht.

Donnerstag, Juni 01, 2006

Hast du Zeit?


Genau 71,1 Jahre liegen vor dem durchschnittlichen Menschen, sollte er dieser Tage auf die Welt kommen. Da gilt es, die Zeit sinnvoll zu nutzen. Allerdings verheißt die Statistik nichts Gutes. Für die wichtigen Dinge wendet der Mensch im Schnitt viel zu wenig Zeit auf.

Nach dem statistischem Bundesamt verbringt der Mensch 1,4 Jahre im Stau, 5,4 Jahre bei der Hausarbeit, ganze 6,1 Jahre vor dem TV. 15,7 Jahre werden auf Aktivitäten in der Freizeit verwendet, während man 10,4 Jahre fürs Geldverdienen verbraucht - und im Schnitt schläft der Mensch ganze 26,3 Jahre.

Wie viel von diesem Zeitkuchen bekommt eigentlich Gott ab? Wenn der Mensch tatsächlich ca. 70 Jahre lebt, dann wären das 25.550 Tage (eigentlich gar nicht so viele) und wenn man täglich 10 Minuten für Gott erübrigt, dann kommt man auf ganze 177 Tage, die man sich mit Gott beschäftigt – also unter einem Prozent unserer Lebensdauer. Viel zu wenig, oder?

Der römische Philosoph, Staatsmann und persönliche Erzieher Nero´s – Lucius Seneca sagte: „Es ist nicht zu wenig Zeit, die wir haben, sondern es ist zuviel Zeit, die wir nicht nutzen.“

Vielleicht schenke ich Gott mehr als ein Prozent deines Lebens. Ich wünsche es mir. Nutze die Zeit.

„Gott, ich hoffe auf dich und spreche: Du bist mein Gott. Meine Zeit steht in deinen Händen.“ (Psalm 31,15.16a)

Mittwoch, Mai 31, 2006

Falls jemand wissen will, warum ich eine Narbe über dem rechten Auge habe.


Ich war mal in Spanien...

Ausgewogenheit


Ausgewogenheit ist eine der wichtigsten Charaktereigenschaften, die ein Mensch besitzen kann. Ausgewogenheit im Handeln, Denken, Ausgewogenheit in politischen und religiösen Ansichten, Ausgewogenheit in Entscheidungsprozessen. Diese treten der Radikalisierung im entscheidenden Maße entgegen. Ausgewogenheit ist nicht mit mangelndem Format zu verwechseln, auch nicht mit einem Weltbild, dass in der Subjektivität die höchste Instanz sieht – Ausgewogenheit ist die Fähigkeit, mit Spannungen leben zu können – und dabei trotzdem Zufriedenheit und Glück empfinden zu können.
Gerade im kirchlich-religiösem Bereich ist Mangel an Ausgewogenheit gefährlich, da er zu fundamentalistischen Standpunkten verleitet und diese durch radikale Konsequenz zum Leben erwecken will. Die Unfähigkeit, mit Spannungen leben zu können, ruft im Menschen ein permanentes Gefühl der Unzufriedenheit und Unzulänglichkeit hervor, was sich dann auf die Art und Weise seines Lebens auswirkt. Die Unfähigkeit, Spannungen auszuhalten, ruft im Menschen ein Gefühl hervor, dass er nie genug getan hat, was einen hohen Grad an Frustration hervorrufen kann.
Gerade unter dem Hintergrund des dualistischen Weltbildes, in dem es das Richtige und das Falsche gibt, fällt es einem fehlerhaftem Individuum schwer, dem Anspruch gerecht zu werden, dem er meint, gerecht werden zu müssen.
Ausgewogenheit schafft es jedoch, die Balance zwischen Anspruch einerseits, und der Möglichkeit einen Fehler zu machen andererseits, zu wahren. Radikale Standpunkte, in religiöse Formeln verhüllt, erwecken den Anschein eines hohen Grades an Spiritualität, Gottesnähe und vor allem Richtigkeit, oft jedoch bleiben fundamentale Verhaltenskodexe des christlichen Weltbildes dabei auf der Strecke. Mangel an Ausgewogenheit verlangt nach dem Richtigen in gleichem Maße wie nach dem Falschen. Theologisch im Recht zu sein, bedeutet dann immer ein Gegenüber zu haben, dass theologisch im Unrecht ist. Die eigene Identität wird durch Abgrenzung und Feindbilder definiert. In diesem Fall ist die christliche Intention verfehlt.
Gerade aus dem Grund der hohen Verantwortung für die Gesellschaft, die Menschen mit christlichem Hintergrund tragen, muss das Element der Ausgewogenheit vorhanden sein. Jesus Christus ist das ultimative Beispiel an Ausgewogenheit. Obwohl seine Botschaft eindeutig (weil relativ einfach) war, schaffte er es das Falsche zu ertragen. Sein erstes Augenmerk fiel auf den Menschen und seine Verlorenheit – erst dann begannen verschobene Weltbilder und fehlerhafte Deutungen eine Rolle zu spielen. Diese Reihenfolge ist heute verschoben.

Ernährungsfragen, politische Weltbilder (in eschatologischem Kontext), Fragen nach unsichtbaren Kräften oder Formdiskussionen können dem Bild Jesu Christi in seiner Schaffenszeit nicht annähernd gerecht werden. Daher stellt sich die entscheidende Frage heute, ob die christliche Bewegung tatsächlich den Vorstellungen Gottes entspricht – oder sie völlig verfehlt. Mangel an Ausgewogenheit zeugt eher von Letzterem.

Test - erster Post: Andacht für das Programmheft des Musik Festivals 2006 in Darmstadt


Als ich letzten Sommer mit meiner Frau durch Nashville, Tennessee durch die Straßen schlenderte, war der Geist der größten Musiker aller Zeiten allgegenwärtig. Nicht nur dass es in dieser Stadt von Plattenlabels, Aufnahmestudios und Live Musik Läden wimmelte - alle hatten sie in dieser Stadt schon gespielt. Von Elvis bis Johnny Cash über Bruce Springsteen, Willie Nelson hin zu Aretha Franklin – es gibt kaum einen weltweit bekannten Künstler, der musikalisch nicht mit dieser Stadt irgendwie verbunden war. Die christliche Songwriterin und Sängerin Amy Grant wurde in Nashville bei einem Gottesdienst entdeckt.

Als wir dann an einer Stadtführung teilnahmen, kamen wir an einem „Schuppen“ vorbei, der so aussah, als würde er bald abgerissen werden. Ich erfuhr, dass es einer der „angesagtesten“ Läden der ganzen Südstaaten wäre. Der Reiseführer erzählte uns voller Stolz, dass da schon Ray Charles, B.B. King und Steve Wonder gespielt hätten, bevor sie die ganze Welt kennen lernen durfte. Der Reiseführer war so stolz drauf, als würde der Laden ihm gehören und als ob die drei seine besten Freunde wären. Auf einmal bekam die Bruchbude eine ganz andere Bedeutung.

Nun ist das MuFe2006 nicht mit den Festivals der Music City zu vergleichen, auch ist die Marienhöhe weit davon entfernt, eine Bruchbude zu sein – aber trotzdem kann das Ereignis diesen September eine ganz andere Bedeutung bekommen – wenn Gott am Ende „da mitgespielt hat.“ Unser Gott ist ein musikalischer Gott, der uns die kreative Intelligenz gab, Musik zu machen, zu fühlen, zu genießen und zu hören. Diesem Geschenk will das MuFe2006 auch dieses Jahr Rechnung tragen, in dem Gott der Special Guest dieser Veranstaltung wird.

Es ist nun mal so, dass die Spezies Mensch eine ist, die oft an einer Überdosis Egozentrik leidet. Die Rasse „Musiker“ ist von diesem Krankheitsbild überdurchschnittlich oft befallen – umso mehr ist es gut, jemanden vor Ort zu haben, dem wir eines schönen Tages alle zusingen werden: „Halleluja – denn der Herr, unser Gott, der Allmächige, hat das Reich eingenommen – Lasst uns freuen und fröhlich sein und ihm die Ehre geben…!“

Wie aus einem kleinen und scheinbar unbedeutenden Schuppen in Nashville, Tennessee, eine der „heiligsten“ Stätten für Musikkenner wurde – so will das MuFe2006 auch eine ganz besondere Sache für dich sein, weil da jemand ganz besonderes an diesem Wochenende auf dich wartet, um für dich zu spielen.
Dein Gott.

Um jetzt noch einen ganz romantischen Ton zu treffen, wünsche ich dir, dass wenn du eines Tages mal an der Marienhöhe vorbeigehst, dass du in diesem Moment dir und deinem Freund sagen kannst: „Hier hab ich vor Jahren, ich glaub´ das war 2006, Gott gehört – er hat hier tatsächlich mal für mich gespielt – hier bin ich Gott begegnet!“